Zwei Menschen lesen denselben Entwurf
Eine erfahrene Mitarbeiterin und ein neuer Kollege bekommen denselben KI-Entwurf. Sie sieht sofort, dass eine Annahme nicht zum Kunden passt. Er findet die Antwort nachvollziehbar. Beide haben den Text aufmerksam gelesen. Ihr Urteil unterscheidet sich, weil sie unterschiedliche Dinge erkennen können.
Erfahrung zeigt sich häufig an einer kleinen Unterbrechung: Moment, das gilt in diesem Fall nicht. Im fertigen Dokument ist dieser Beitrag kaum sichtbar. Dort steht später nur die korrigierte Aussage. Wer ausschließlich die Geschwindigkeit der Erstellung betrachtet, kann die Arbeit übersehen, die das Ergebnis tragfähig gemacht hat.
Auch Erfahrung muss erklärbar werden
Der Hinweis auf Erfahrung darf allerdings kein Gespräch beenden. Wenn die Mitarbeiterin sagt, dass der Entwurf falsch ist, sollte sie zeigen können, welche Voraussetzung fehlt oder welcher frühere Fall ihr Urteil trägt. Sonst bleibt der Kollege abhängig von einem Veto, das er nicht verstehen kann.
Eine gute Rückfrage lautet: Woran hast du erkannt, dass diese Aussage hier nicht passt? Damit wird aus der Korrektur eine Lerngelegenheit. Vielleicht lässt sich ein wiederkehrender Prüfpunkt festhalten. Vielleicht ist es eine Ausnahme, die weiterhin persönliche Rücksprache braucht. Ihr könnt das erst unterscheiden, wenn ihr den Gedankengang betrachtet.
Die Rolle verändert sich
Wenn Routineauskünfte leichter verfügbar werden, kann eine erfahrene Person Zeit gewinnen. Sie kann zugleich den beiläufigen Einblick verlieren, den sie bisher durch Rückfragen bekam. Aus einer scheinbar kleinen Abkürzung entsteht dann eine neue Frage: An welcher Stelle soll ihre Erfahrung weiterhin in die Arbeit einfließen?
Die Antwort muss nicht sein, dass jede Frage wieder persönlich gestellt wird. Vielleicht braucht die Person eine frühere Beteiligung an anspruchsvollen Kundenzusagen oder einen klaren Übergang bei fachlichen Ausnahmen. Dann wächst ihr Beitrag, während andere selbstständiger werden können.
Diese Veränderung verdient eine konkrete Vereinbarung. Welche bisherige Aufgabe entfällt? Welche neue Verantwortung kommt hinzu? Welche Zeit und Befugnis gehören dazu? Eine zusätzliche Rolle neben allen bisherigen Aufgaben schafft kaum den versprochenen Freiraum.
Eine Frage beim Lesen und im Team
In „Firmenkultur in Zeiten von AI“ geht es auch um solche Verschiebungen. Die Geschichten bei SoftLynx Solutions sind erfunden. Sie laden dazu ein, genauer auf die eigene Arbeit zu schauen: Wo macht Erfahrung heute einen Unterschied, den das fertige Ergebnis nicht mehr zeigt?
Nimm diese Frage in ein Gespräch mit einer erfahrenen Kollegin oder einem erfahrenen Kollegen. Bitte um einen konkreten Fall aus der vergangenen Woche. Dort beginnt eine brauchbare Antwort darauf, wie Erfahrung in einem veränderten Arbeitsablauf ihren Platz behält.
